Home | english | Impressum | Sitemap | KIT

Curriculum Vitae

Lebenslauf Prof. em. Dr. Dr. h.c. mult. Dr.-Ing.E.h.mult. Gerhard Krüger
   

Jugend und Studium (1933-1959)

Gerhard Krüger wurde am 09.07.1933 in Melsungen geboren. Er besuchte das Ernst-Abbe-Gymnasium in Eisenach, wo er 1952 sein Abitur machte. Für das Studium der Physik ging Krüger 1952 an die Friedrich-Schiller-Universität Jena. 1954 schloss er dort sein Vordiplom ab. Er wechselte an die Humboldt-Universität in (Ost-)Berlin, wo er sein Diplom mit Auszeichnung erhielt. 1957 verließ Krüger über West-Berlin die DDR und siedelte in die BRD über. Von 1958 bis 1959 arbeitete er an seiner Promotion in Gießen, wo er 1959 den Grad Dr. phil. nat. (philosophiae naturalium) erhielt.

Berufliche Tätigkeit im Kernforschungszentrum Karlsruhe (1960-1978)

Seine berufliche Laufbahn begann Gerhard Krüger als Physiker am Kernforschungszentrum Karlsruhe (KfK). Am 1. April 1960 nahm er die Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Neutronenphysik und Reaktortechnik (INR) auf. Er arbeitete unter der Leitung von Karl-Heinz Beckurts in der experimentellen Abteilung des Instituts. Sein Arbeitsfeld war die kernphysikalische Messtechnik. Als Beckurts zu Beginn des Jahres 1963 die Leitung des neu gegründeten Instituts für Angewandte Kernphysik (IAK) am KfK übernahm, wechselte auch Krüger dorthin. Fortan war er hier als Leiter der Gruppe Datenverarbeitung tätig und beteiligte sich am Aufbau des Realzeitcomputer- und Messwerterfassungssystems MIDAS. Damit begann Krügers Wechsel vom Physiker zum Informationstechniker. Im Sommer 1963 kam die erste Betriebsstufe des Datenverarbeitungsprogramms MIDAS am Reaktor FR2 des Kernforschungszentrums zum Einsatz. Die maschinelle Erfassung, Weiterverarbeitung und Auswertung der Forschungsdaten, die durch dieses Programm möglich wurden, waren ein erster Schritt der computergestützten Datenverarbeitung am Forschungszentrum.

In diese Zeit fallen auch zwei Forschungsreisen Krügers nach Nordamerika. Von Juli bis September 1963 reiste Krüger zum ersten Mal durch Kanada und die USA. Auch hier beschäftigte sich Krüger mit der Datenverarbeitung und dem Aufbau von Rechnersystemen. Während seines Aufenthalts in Nordamerika besuchte er verschiedene Universitäten und Forschungseinrichtungen. Hervorzuheben ist dabei sein Besuch der Control Data Software Division an der Stanford University in Kalifornien. Im Vordergrund seiner zweiten USA-Reise 1965 stand die Teilnahme am Kongress Interdata 65 der International Federation for Information Processing (IFIP) in New York. Darüber hinaus nutze Krüger seine Reise an der Ostküste der USA zu Gesprächen mit der Computer-User-Organisation SWAP und zu Besuchen des Brookhaven National Laboratory (Long Island), sowie des Massachusetts Institute of Technology/Cambridge und der IBM-Niederlassung in Poughkeepsie (New York), die sich mit der Entwicklung von Großrechnern beschäftigte.

Mitte 1966 wechselte Krüger innerhalb des IAK und wurde Leiter der Projektgruppe zur Vorbereitung der Datenverarbeitungszentrale (DVZ) des KfK. Krüger war mit der Gesamtplanung der DVZ betraut. Schwerpunktmäßig gehörte zu seinen Aufgaben in dieser Zeit die Planung eines Neubaus, die Erweiterung des Kommunikationsnetzes zum Datenverkehr und der Aufbau eines Realzeit-Datenverarbeitungssystems. Nach einer zweijährigen Vorbereitungszeit durch seine Projektgruppe wurde Krüger im Juli 1968 zum Leiter der neugegründeten DVZ des

Kernforschungszentrums ernannt. Seine zwei Hauptprojekte in dieser Zeit waren das Erfassungssystem CALAS, das Messdaten mit Hilfe von Telefunken-Kleinrechnern aufzeichnete, sowie der Aufbau eines interaktiven Computerterminalsystems TCP (Terminal Control Program) auf der Basis von IBM 360/65 Rechnern.

Zu Beginn des Jahres 1971 wurde Krüger Leiter des am KfK neugegründeten Instituts für Datenverarbeitung in der Technik (IDT). Dafür musste er die Leitung des DVZ zwar aufgeben, konnte aber das CALAS-System und weitere Projekte in Kooperation weiterführen. Im Juli 1978 schied Krüger nach einer Übergangszeit von etwa einem Jahr ganz aus dem IDT aus, um sich seiner Arbeit an der Universität Karlsruhe (TH) voll widmen zu können.

 

Tätigkeit an der Universität Karlsruhe (TH) an den Instituten für Datenverarbeitung in der Technik und für Telematik (1971-2001)

Bereits von 1967 bis 1972 war Krüger als Dozent am Institut für Mathematische Maschinen an der Universität Erlangen in der universitären Lehre tätig. Nachdem er Rufe auf Informatik-Lehrstühle in Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen erhalten hatte, entschied sich Krüger 1971 für die Übernahme des neugegründeten Lehrstuhls Informatik II für Betriebssysteme an der Universität Karlsruhe (TH). Dort betätigte er sich vor allem auf den Gebieten Prozessrechner, Realzeit-Anwendungen und Telematik. Wie bereits erwähnt, führte Krüger zeitgleich seine Arbeiten am IDT des Kernforschungszentrums Karlsruhe bis ins Jahr 1978 fort. Von 1981 bis 1983 übernahm Krüger das Amt des Dekans der Fakultät für Informatik. In dieser Zeit initiierte er ein Ausbauprogramm für die Karlsruher Informatik. Mit Landes- und Bundesmitteln konnte die Universität ihre Fakultät für Informatik zur größten in der Bundesrepublik ausbauen. Von 1984 bis 1988 folgte eine Kooperation mit der Firma IBM namens HECTOR (Heterogeneous Computers Together), die Krüger als Senatsbeauftragter der Universität betreute.

1982 wurde das Institut für Telematik an der Universität Karlsruhe (TH) unter Krügers Leitung gegründet. Der Begriff Telematik stellt eine Kombination der Termini Telekommunikation und Informatik dar. Dem Institut für Telematik stand Krüger bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2001 vor. Er betreute im Laufe seiner Arbeit an der Universität 540 Diplomarbeiten, 45 Promotionen und 6 Habilitationen.

Außeruniversitäres Engagement für den Ausbau der Informatik in Deutschland

Krüger stellte neben seiner Arbeit am Kernforschungszentrum Karlsruhe und an der Universität Karlsruhe (TH) sein Fachwissen und Engagement für den Aufbau der Informatik in mehreren Funktionen bundesweit zur Verfügung. So nahm er Aufgaben in Aufsichtsgremien von Wirtschaft und Wissenschaft wahr. Von 1980 bis 1984 war er Vizepräsident der Gesellschaft für Informatik; im darauf folgenden Jahr stand er der Gesellschaft als Präsident vor. In seine Präsidentschaft fällt das Hochschulsonderprogramm des Bundes und der Länder für den bundesweiten Ausbau der Informatik an den deutschen Universitäten. Auch für die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) nahm Krüger verschiedene Aufgaben wahr. In den Jahren 1980 bis 1988 war er Mitglied ihrer Kommission für Rechenanlagen und setzte sich dort ein für den Aufbau von Computerarbeitsplätzen für Studierende in Form von "CIP-Pools" (CIP = Computer-Investitionsprogramm) sowie von PC-Ausstattungen für Wissenschaftler im Rahmen des Wissenschaftler­Arbeitsplatz-Programms (WAP). Von 1984 bis 1988 war er als gewählter Fachgutachter der DFG für Informatik sowie als Mitglied der interdisziplinären Auswahlkommission für die Vergabe des Heisenberg-Stipendiums der DFG tätig. Von 1988 bis 1995 beteiligte sich Krüger an Arbeitsgruppen des Wissenschaftsrates, wie etwa zur EDV-Versorgung der Hochschulen, zur Zusammenarbeit von Großforschungseinrichtungen und Hochschulen sowie zu

Hochgeschwindigkeitsnetzen. Während seiner Arbeit für den Wissenschaftsrat arbeitete Krüger an der wissenschaftlichen Modernisierung der neuen Bundesländer nach der Wiedervereinigung mit. Er war auch Mitglied der Arbeitsgruppe Mathematik/Informatik des Wissenschaftsrates, die sich mit der Evaluierung der einschlägigen Institute der ehemaligen Akademie der Wissenschaften der DDR befasste. Ebenso war er Mitglied der Arbeitsgruppe Ingenieurwissenschaften des Wissenschaftsrates, die an der Neustrukturierung der Ingenieursausbildung in den neuen Bundesländern beteiligt war. In Berlin und Mecklenburg-Vorpommern war er in Landesgremien zu Hochschulfragen beratend tätig. Auch war er Gründungsmitglied der Technischen Fakultät an der Universität Rostock. Sein Einsatz für die Informatik in der deutschen Hochschullandschaft spiegelt sich auch in Krügers Mitgliedschaften in Akademien und in seinen zahlreichen Ehrungen wider.


Lebenslauf mit freundlicher Genehmigung des KIT-Archivs

 
Ehrungen
1994
Ehrendoktorwürde Dr. rer. nat. h.c. durch die Humboldt-Universität zu Berlin
 
1995
Verleihung des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse durch den Bundespräsidenten
 
1997
Ehrendoktorwürde Dr. rer. nat. h.c. durch die Medizinische Universität zu Lübeck
 
2001
Ehrendoktorwürde Dr. rer. nat. h.c. durch die Friedrich-Schiller-Universität Jena
 
2001
Verleihung der Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg
 
2005
Fellow derGesellschaft für Informatik e.V
 
2005
Ehrendoktorwürde Dr.-Ing. E.h. derUniversität Rostock
 
2007
Ehrendoktorwürde Dr.-Ing. E.h. derTechnischen Universität Ilmenau
 
2007
Ehrenmitglied derGesellschaft für Informatike.V.
 
Mitgliedschaften
  • Mitglied und Senator der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina
    Nationale Akademie der Wissenschaften
    Obmann der Sektion Informationswissenschaften
  • Ordentliches Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften
  • Mitglied der acatech - Deutsche Akademie der Technikwissenschaften
    Mitglied des Arbeitskreises "Kommunikation und Wissensmanagement" acatech
  • Vorstandsmitglied der Gunther-Schroff-Stiftung für Wissenschaftliche Zwecke, Waldbronn
  • Mitglied des Kuratoriums der SAP AG Corporate Research and Innovation